Wort zum Sonntag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch. Amen
Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lukas 12, 48b)
Gott vertraut uns viel an. Gott traut uns auch viel zu. Davon handelt das folgende Gleichnis:
Jesus sprach: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Menschen, der außer Landes ging: Er rief seine Knechte und vertraute ihnen sein Vermögen an; dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem andern zwei, dem dritten einen, jedem nach seiner Tüchtigkeit, und ging außer Landes. Sogleich ging der hin, der fünf Zentner empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann weitere fünf dazu. Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen hatte, zwei weitere dazu. Der aber einen empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte und forderte Rechenschaft von ihnen. Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut; siehe da, ich habe fünf Zentner dazugewonnen. Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner anvertraut; siehe da, ich habe zwei dazugewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines Herrn Freude! Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist: Du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wusstest du, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle, wo ich nicht ausgestreut habe? Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat, dem wird auch, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern. (Mt 25, 14-30)
Dieses Gleichnis ist faszinierend. Es handelt von einer wundersamen Geldvermehrung. Das hat Geld so an sich: Wo viel ist, kommt häufig viel dazu. Ich bin dabei an die Spendenaktion für die Restaurierung unserer Mehmel-Orgel erinnert. Stiftungen der Sparkasse hatten uns für jeden gespendeten Euro zwei weitere dazu gegeben: aus 1 macht 3. Nicht nur verdoppelt, sondern verdreifacht hatte sich dadurch das Guthaben. So konnten wir die Restaurierung bald durchführen. Und unsere Orgel erfreut uns seitdem mit ihrem Klang in jedem Gottesdienst.
Groß war darum auch die Freude bei den ersten beiden tüchtigen Verwaltern. Für den Dritten aber wurde es bitterer Ernst. Er war nicht so geschäftstüchtig. Er hat nicht Handel getrieben. Er hat den Fonds und den Aktien nicht vertraut, sondern das anvertraute Geld lieber versteckt. Dafür wird er bestraft. So wie es heute auch jeden vorsichtigen Sparer trifft. Bei geringen Zinsen, oder gar der Zahlung von Verwahrentgelten hat man am Ende weniger als vorher. Dieser Dritte veruntreut nichts von dem anvertrauten Geld. Er kann alles auf Heller und Pfennig zurückzahlen. Aber dennoch wird er dafür gefeuert. Der Chef braucht bessere Leute! Hinaus mit ihm auf die Straße. Da draußen herrscht Heulen und Zähneklappern.
Was ist das für ein Evangelium? Vielleicht packt uns die Wut über solchen Chef, oder es ergreift uns Mitleid mit dem Knecht. Können wir das gutheißen, was da geschehen ist? – Wir kommen der Sache näher, wenn wir das Erzählte mit etwas Abstand betrachten. Diese Geschichte ist nicht unmittelbar wörtlich zu nehmen, sondern sie ist ein Gleichnis, das uns sinnbildhaft etwas über Gottes Herrschaft und unserer Rolle darin sagen will.
Zunächst sollten wir von dem ganzen Finanziellen in dieser Geschichte absehen. Jesus will seinen Jüngern hier das Weltgericht verdeutlichen. Es geht darum, dass wir über unsere Taten einmal vor Gott Rechenschaft ablegen müssen. Dabei hilft es aber nicht, an einen strafenden Gott zu glauben. Denn das wird uns dann zum Verhängnis.
Das genau passiert dem dritten Knecht. Er weiß, dass er sich vor seinem Herrn einmal verantworten muss. Er hält ihn für einen strengen Chef und macht kein Hehl draus: „Herr, ich wusste, dass du ein harter Mann bist... darum fürchtete mich und verbarg deinen Zentner in der Erde.“ Wenn wir das übertragen, dann heißt das: Die Angst vor dem strafenden Gott, kann einen Menschen auch so verkniffen und ängstlich machen, dass er genau das Falsche tut. Ihm wird sein falsches Gottesbild zum Verhängnis.
So ging es bekanntlich Martin Luther. Aus Angst vor dem strafenden Gott machte er die schwersten Stunden seines Lebens durch. Er verbrachte – wie er es später selbst sagte – sein Leben ängstlich damit, Gott in allen Einzelheiten gerecht werden zu wollen. Dieser Perfektionismus wurde ihm fast zum Verhängnis. Erst durch die Einsicht, die ihm geschenkt wurde, dass Gott ein liebender und vergebender Gott ist, wurde er frei im eigenen Handeln, auch auf die Gefahr hin, schuldig zu werden.
Wenn wir fragen, was der dritte Knecht falsch gemacht hat, dann ist das genau diese Verkniffenheit. Aus Angst, einen Fehler zu machen, tat er lieber gar nichts. Anstatt mit den Pfunden, die ihm anvertraut sind zu wuchern, verbarg er sie. Er nutzte nicht, was ihm geschenkt war. Denn er dachte von vornherein, dass es schief gehen würde. Aber noch etwas wiegt schwerer: Als der Herr sein Vermögen zurückfordert, sagt dieser dritte Knecht: „Ich wusste, dass du ein harter Mann bist, du schneidest, wo du nicht säst und du sammelst wo du nicht ausgestreut hast.“ Dieser Vorwurf ist in diesem Zusammenhang ganz unverständlich. Hatte der Herr ihm nicht den einen Zentner anvertraut; wie kann er dann sagen du sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast?!
Dieses Denken ist weit verbreitet – zu meinen, dass mein Leben, meine Gesundheit und das was ich mir erarbeite, allein mein Verdienst ist. Wir dürfen darüber aber nicht vergessen, dass uns Gott zwar in die Eigenständigkeit entlassen hat, uns aber alles, was wir brauchen, dafür auf den Weg gegeben hat: unser Geschick, unseren Verstand, unseren Lebensmut, unsere Freundlichkeit und überhaupt unsere ganze Schaffenskraft. Und er wird gewiss auch danach fragen: Was hast du mit diesen Talenten angestellt?
Das mit den Talenten ist gar nicht so weit hergeholt. Im Griechischen, der Sprache des Neuen Testaments, steht es so wörtlich. Ein Talent – ursprünglich eine alte griechische Münzeinheit – ist in unserem Sprachgebrauch auf die Fähigkeiten und die Begabungen eines Menschen übertragen worden. So weist das Gleichnis weg vom Geld hin auf unsere Talente. Das Gleichnis Jesu fordert uns dazu auf, mit unseren Talenten zu wuchern. Nicht ängstlich abzuwarten, sondern frisch und fröhlich ans Werk zu gehen. Der erste Schritt wäre zu schauen, wo unsere Talente liegen. Nicht jeder ist Konzertpianist, aber dennoch hat ein jeder Talente.
Da ist ein großes Potenzial auch für das Leben einer Kirchengemeinde: Zu schauen, was für Gaben gibt es, Menschen dazu ermuntern und zu bitten, ihre Gaben einzusetzen. Wichtig ist dabei, frisch ans Werk zu gehen. Denn wir haben nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen. Und selbst das, was uns missrät, können wir Gott in seiner Barmherzigkeit anvertrauen. Denn unser Gott ist kein strafender Gott, sondern die Liebe selbst, die sich in Jesus Christus gezeigt hat. Denn am Schluss steht nicht Heulen und Zähneklappern, sondern die Aufforderung des Herrn über Zeit und Ewigkeit: „Tritt ein zu deines Herren Freude!“ Amen
Lasst uns beten:
Guter Gott, wir danken dir, dass du uns mit so viel Gaben und Begabungen ausgestattet hast. Hilf, dass wir sie recht gebrauchen und deinen Willen erkennen.
Wir bitten dich für deine Schöpfung, für die Welt, in der wir leben, dass sie bewahrt bleibt vor Zerstörung und Raubbau, damit sie Lebensraum sein kann für uns und viele Arten. Mache Menschen dazu bereit, sich dafür einzusetzen, für Gerechtigkeit und Frieden. Sei mit allen, die unter Krieg, Gewalt und Flucht leiden, dass Ihre Not ein Ende findet.
Die Ferien sind zu Ende, wir bitten für Kinder und Jugendliche, dass sie einen guten Start ins neue Schuljahr und ins Leben haben. Sei mit denen, die sie begleiten, mit Eltern, Erziehern, Lehrerinnen. Schenke Kraft, Weisheit und Geduld für alle Aufgaben.
Wir bitten für alle, denen ihre Last zu schwer wird, für die Kranken  und Einsamen, die Erschöpfen und Trauernden. Hilf ihnen tragen, tröste und richte auf, wo menschlicher Trost an seine Grenzen kommt.
Um alles, was nottut, bitten wir mit den Worten Jesu:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0162 7687770

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.
Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz