„Wort zum Sonntag“

am 7. Juni 2020

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns. Amen.
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jesaja 6, 3)
Wenn man uns fragte, was Gott für uns ist, und wenn man auch in der Bibel dahingehend nachforschte, merkten wir: Gott ist vielgestaltig.
Die Theologen haben daraufhin alle Antworten systematisiert und Gott, dem Schöpfer, Jesus Christus, dem Sohn Gottes, und  Gott, dem Heiligen Geist, zugeordnet. Es ist diese Dreieinigkeit, die wir heute feiern.
Mit dem heutigen Sonntag beginnt dann auch die Trinitatiszeit. Eine Zeit, in der wir Gelegenheit haben werden, dem nachzugehen, was wir von, über und mit Gott erfahren haben.
Es war ein Mann unter den Pharisäern mit dem Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden. Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.
Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir; Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.
Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?
Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden. Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.
Der Tag macht uns klug. Die Nacht aber macht uns weise. Das erlebt Nikodemus, der Gelehrte. Er schleicht und flüchtet sich im Schutz der Dunkelheit zu Jesus, um Antworten auf die letzten Fragen des Lebens zu finden. Es sind Antworten, die nicht in Büchern stehen.
Des Tages lernen auch wir stets und ständig dazu. Wir hören und sehen viel. Wir bilden uns eine Meinung im Austausch mit anderen. Wohl dem, der danach auch die Nacht zu schätzen weiß. Sie schenkt uns die Ruhe, den Schlaf und die Träume. Niemand stört uns dabei. Wir können still werden. Wir horchen in uns hinein.
Manch einer, mach eine betet zuvor am Abend: Unser Abendgebet steige auf zu dir, Herr, und es senke sich auf uns herab dein Erbarmen. Dein ist der Tag, und dein ist die Nacht. Lass, wenn das Tages Schein vergeht, das Licht deiner Wahrheit uns leuchten. Geleite uns zur Ruhe der Nacht und vollende dein Werk an uns in Ewigkeit.
Im Licht göttlicher Weisheit betrachtet, sieht unser Leben anders aus. Gnade widerfährt uns und Befreiung vom Bösen. Deshalb ist es gut, über manche Entscheidungen „eine Nacht zu schlafen“. Denn dann lösen sich Verstrickungen. Neu zu denken, wird möglich.
In der Nacht weht Gottes Geist. Er kann alles durcheinander wirbeln. Er kann auch besänftigen und zärtlich berühren. Je nachdem. Wer danach erwacht, fühlt sich, wie neu geboren. Probleme sind dadurch nicht weg, sie erscheinen auch nicht unbedingt kleiner. Aber man sieht sie doch auch, wie Gott sie sieht.
Und wir geben daraufhin unser Bestes. Mit dem Anspruch, dass das, was wir tun, gut ist. Aber wir erheben nicht länger mehr den Anspruch, damit die Welt retten zu können. Weil wir glauben, dass Gott seinen Teil zu dem beiträgt, was wir begonnen haben. Er ist es, der alles vollenden kann.
Nikodemus staunt darüber: wie soll das gehen im Alter? Vielleicht geschieht dies gerade im Alter. Weil sich mit dem Alter, mit zunehmender Klug- und Weisheit eine Gelassenheit einstellen kann. Dann heißt es nicht nur: Muss ja! Dann heißt es auch: Wird schon! Oder: Wird schon wieder! Die Erfahrung und so manche durchwachte und durchdachte Nacht haben es uns gelehrt. Gemeint ist wohl auch, dass es nie zu spät ist für ein Gespräch mit Gott des Nachts? Weil wir uns im Laufe des Lebens immer mal verrennen. Dann hilft es, die Hände in den Schoß zu legen und die Augen zu schließen, die Gedanken gen Himmel zu senden oder in der Tiefgründigkeit unseres Daseins nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Dort finden wir den Grund unseres Handelns. Wer sich Rechenschaft darüber gibt – im Gespräch mit Gott – der kann erkennen, wohin die Reise doch noch gehen kann. Und für einen solchen Aufbruch ist es wirklich nie zu spät. Auch dann nicht, wenn wir den letzten Atemzug nehmen.
Was da passiert, ist unbegreiflich. Wir staunen mit Nikodemus: Über die Fülle an Möglichkeiten im Leben, über die Zuversicht, und die Neugier, die ein Gespräch mit Gott wecken kann, über die Dankbarkeit, die wir in uns spüren, weil wir uns auf ihn verlassen können.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Herrn. Amen.
Gnädiger Gott, Dein Geheimnis ist groß und überraschend vielfältig ist die Erfahrung Deiner Gegenwart in unserer Welt und in unserem Leben.
Wir bitten Dich für Deine Schöpfung. Erfülle sie mit Deinem Lebensatem. Hilf, sie so zu bewirtschaften, dass sie ein Lebensraum auch für die kommenden Generationen bleibt.
Wir bitten Dich um Dein Wort. Lass es Zuspruch und Anspruch in unserer Welt sein, dass die Liebe das Miteinander der Menschen prägt und Friede gestiftet wird.
Wir bitten um Deinen Heiligen Geist, der alle vereint, der die Würde eines jeden Menschen begründet und der Verständigung ermöglicht.
Bleibe unser Herr und Gott, darum bitten wir Dich mit Jesu Worten: Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name. Dein Reich kommen wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
 

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Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich! Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastorin Ulrike Streckenbach