„Wort zum Gründonnerstag“

am 9. April 2020

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,
eigentlich wollte ich in diesen Tagen Gottesdienstvertretungen in den Dorfgemeinden rings um Anklam übernehmen, zum Beispiel in Lüskow, Bargischow und Alt Teterin. Dort waren Abendmahlsgottesdienste und Tischabendmahlsfeiern geplant. Aber wie überall fallen auch dort die Gottesdienste aus. Nun freue ich mich darüber, dass Ihre Marien-Pastoren mich eingeladen haben, Sie mit diesem Andachtsbrief zu grüßen. So werden wir im Gebet, im Nachdenken und – jeder und jede für sich – im Singen die Verbundenheit als Gemeinde, als Eingeladene am Tisch des Herrn erleben können – denn am Vorabend des Karfreitags feiern wir ja die Einsetzung des Heiligen  Abendmahls! Ich werde diesen Brief auch nach Anklam schicken als Zeichen unserer Gemeinschaft im Glauben über räumliche Grenzen und Einschränkungen hinweg.
Bleiben Sie alle behütet und Gott befohlen und seien Sie auch im Namen Ihrer Pastoren Ulrike Streckenbach und Bernd Magedanz und des Kirchengemeinderates herzlich gegrüßt.
Ihr Christoph Ehricht

Wir beten:
Lieber Vater im Himmel! Auch in dieser schwierigen Zeit kommst du uns nahe durch die gute Nachricht von deiner Liebe und Treue. Dafür sagen wir dir Dank und bitten dich, stärke und tröste uns durch die Gewissheit deiner Gegenwart, die uns Jesus Christus durch sein Wort und Sakrament bezeugt. In seinem Namen stimmen wir ein in das Gebet Israels (aus Psalm 111 im Evangelischen Gesangbuch Nr. 744):

Halleluja! Ich danke dem Herrn von ganzem Herzen im Rate der Frommen und in der Gemeinde.
Groß sind die Werke des Herrn, wer sie erforscht, hat Freude daran.
Was er tut, das ist herrlich und prächtig, und seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich.
Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr.
Er gibt Speise denen, die ihn fürchten, er gedenkt ewig an seinen Bund.
Er sendet eine Erlösung seinem Volk; er verheißt, dass sein Bund ewig bleiben soll. Heilig und hehr ist sein Name.
Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. Klug sind alle, die danach tun. Sein Lob bleibt ewiglich.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Lesung aus 2. Mose 12: Die Einsetzung des Passafestes
Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland
Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen.
Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tag dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Haus für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er`s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.
Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie´s essen.
So sollt ihr`s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen; es ist des Herrn Passa.
Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der Herr. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid; wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage.
Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Lesung aus dem Evangelium Johannes 13, 14 -15 und 34 – 35; nach dem Bericht über die Fußwaschung lesen wir:
Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, dass ihr tut, wie ich euch getan habe.
Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebet, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habet. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt.
Lob sei dir, o Christe!

Der Bericht über die Einsetzung des Passafestes aus dem 2. Mosebuch ist in diesem Kirchenjahr als Bibelwort für die Predigt vorgesehen. Das Passa (abgeleitet vom griechischen Wort für „vorübergehen“) oder hebräisch Pessach („abprallen“) erinnert die jüdische Gemeinde an das Geschehen am Vorabend des Auszugs aus Ägypten.
Das Fest beginnt für Juden mit dem Seder-Abend, einem Familienfest, vergleichbar unserem christlichen Heiligabend. Im Mittelpunkt stehen die Lesung der Geschichte vom Auszug aus Ägypten und eine gemeinsame Mahlzeit, eröffnet mit Segenswünschen über Brot und Wein. Auch Jesus und seine Freunde versammeln sich an diesem Abend und erinnern sich an die alte Überlieferung. Darum sind auch wir eingeladen, uns in diese Tradition zu stellen und die Glaubenserfahrung Israels zu teilen.
Manche Verse aus dem 12. Kapitel des 2. Mosebuches berühren uns unmittelbar, besonders in dieser ungewissen Zeit: das Gebot, sich mit „gegürteten Lenden und festem Schuhwerk“ zu versammeln, bereit zum Aufbruch, ohne ängstliches Festhalten am Vertrauten. Die ungesäuerten Brote, weil keine Zeit zu verlieren ist. Der Wanderstab in der Hand, weil das „Hinwegeilen“ bevorsteht. Aufbruch in eine unbekannte Zukunft: vieles wird neu und anders sein in unserer Welt, wenn diese Corona - Krise einmal überstanden sein wird. Das mag uns heute Angst machen. Aber Gott wird es zum Guten wenden!
Manches in der Überlieferung vom Passafest ist uns aber auch sehr fremd, vor allem das angekündigte verheerende Strafgericht Gottes über Ägypten, die grausame Tötung jeder Erstgeburt. Wir müssen das aushalten. Auch für die Juden war und ist diese Überlieferung eine Anfechtung. Gottes Handeln kann schwer erträglich sein, es lässt sich nicht einzwängen in unsere Bilder und Erwartungen. Auch die Freunde Jesu werden diese Erfahrung am kommenden Tag gewinnen müssen, wenn alle ihre Hoffnungen und Vorstellungen im wahrsten Sinne des Wortes durchkreuzt werden.
Immer aber ist Gottes Handeln geleitet von seiner Treue zu dem Bund, den er mit seinem Volk geschlossen hat. Um ihn zu bezeugen und mit neuem Leben zu erfüllen, geht Jesus den schweren, aufopferungsvollen Weg, der mit der Fußwaschung beginnt und mit dem Opfer am Kreuz vollendet wird. Jesus geht diesen Weg im Vertrauen auf die Allmacht der Liebe Gottes. Er will uns Freiheit und ein neues Leben schenken, das alle Mächte des Todes besiegt. Dieses Leben beginnt, wo immer Menschen dem Vorbild Jesu und seinem Gebot folgen.
Auch in unserer schwierigen gegenwärtigen Zeit mit ihren Entbehrungen, Leidenserfahrungen, Ängsten und Sorgen können wir die tröstliche Wahrheit erleben und bezeugen, die uns die Erinnerung an das Passafest und an den ersten Gründonnerstag damals in Jerusalem schenken will. Die Corona-Krise ist ganz gewiss kein Strafgericht Gottes, vielleicht aber eine Prüfung. Wir werden sie bestehen mit Gottvertrauen und Zuversicht als Jesu Schwestern und Brüder. Das sollen wir – mit den Worten des schönen Abendmahlsliedes im Evangelischen Gesangbuch Nr. 22 – nie vergessen, wenn wir uns an seinem Tisch und im Hören auf sein Wort versammeln, auch wenn wir nur in Gedanken zusammen sein können. Gottes Bundestreue gilt auch uns. Sie schenkt uns einen Frieden, der höher ist als alle unsere Vernunft!  
 
Wir beten:
Lieber Gott,
an diesem Abend denken wir daran, dass du dein Volk immer wieder aus der Gefangenschaft befreist. So war es damals beim Auszug aus Ägypten, später in der befreienden Begegnung mit Jesus und so ist es heute, wenn wir durch die Gewissheit deiner Liebe von unseren Sorgen und Ängsten befreit werden. Dafür sagen wir dir unseren Dank. Wir bringen unsere Fürbitte vor dich für alle, die jetzt unter Einsamkeit leiden, für die Familien, die vor großen Herausforderungen stehen, für die Kranken und Pflegebedürftigen. Lass uns alle miteinander wissen, dass du uns auch in schweren Zeiten nahe bist und dass du uns alle zu dem Ziel führst, das du für uns bestimmt hast. In diesem Vertrauen beten wir mit den Worten Jesu zu dir:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden; unser tägliches Brot gib uns heute; Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern; und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen; denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Amen.

Das sind unsere Kontaktdaten:

Christine Enkelmann im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0176 41732701

 

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.
Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastor. i. R. Dr. Ehricht