Unser Wort zum Sonntag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.
Am heutigen Sonntag kommt in besonderer Weise die Taufe in den Blick. Gott erwählt sein Volk seit Anbeginn. So hören wir es im Wochenspruch:
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, ich habe dich erwählt, ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1)
Ich kann mich noch gut an den Sportunterricht in der Schule erinnern, wie es war, wenn Mannschaften gewählt wurden: Die beiden besten Spieler stellten sich gegenüber und abwechselnd wählten sie die Spieler aus, die zu ihrer Mannschaft gehören sollten. Die Besten zuerst. Dann kam das Mittelfeld. Und am Schluss blieb immer einer übrig, den keiner wollte. Bei uns war es ein kleiner, unsportlicher Junge, der auch sonst nicht der Beste war, dem das Lernen schwer fiel. Und der war immer der Letzte, und der musste meistens in Tor.
Als Kinder machten wir uns das nicht klar, wie deprimierend es ist, immer der zur sein, den keiner haben will. So bitter das ist, so menschlich ist es. Wir wählen immer das, was uns am meisten zusagt.
Von einer Wahl ist auch im Predigttext für den heutigen Sonntag die Rede. Auf wunderbare Weise geht es da aber anders zu als im Sportunterricht:
Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.
So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. (5. Mose 7, 6-12)
Mose lässt hier Gottes Plan mit seinem Volk ausrichten. Ausgerechnet das kleine Volk Israel ist von Gott ausgewählt worden. Diese Erwählung hat nichts Elitäres. Ja, es scheint fast so, dass es Gott im Gegenteil Spaß macht, das Kleine und Unscheinbare zu erwählen und damit auszuzeichnen. Er erwählt nicht das mächtige Ägypten oder das Weltreich Assyrien, sondern macht das kleine bedrängte und bedrohte Israel zu seinem Volk. Gott redet auch zu Mose nicht aus einer gewaltigen Eiche, sondern aus einem trocknen Dornbusch, der zu den unscheinbarsten Sträuchern gehört. Und als Samuel nach einem neuen König Ausschau halten soll, sind es nicht die großen streitbaren Söhne Isais, die dafür in Frage kommen, sondern der Kleinste, der die Schafe hütet, David wird es. Dann Gott sieht das Herz an. Und schließlich hat Gott nicht irgendeinen strahlenden Helden erwählt, um seine Herrschaft zu verkünden, sondern Jesus, den Zimmermannssohn aus Nazareth, zu seinem Sohn erklärt und hat sich mit dessen Gewaltlosigkeit identifiziert und sich sein Kreuz und Leid zu eigen gemacht.
Und wenn wir an diesem Sonntag auf die Taufe schauen, dann zeigt es sich in ähnlicher Weise. Als wir vor zwei Wochen das Tauffest am Strand von Eldena gefeiert haben, wurden eine Erwachsene und einige Jugendliche getauft. Die meisten aber waren Kinder, einige ganz klein. Und auch die Taufe von Kindern verdeutlicht, dass Gott das Kleine und Unscheinbare erwählt und sich zu eigen macht. Ganz ohne Verdienst geschieht das. Denn Gottes Liebe gilt allen Menschen. Jesus Christus spricht: Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker, taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes.“ Durch die Taufe geht Gottes Geschichte der Erwählung weiter. Sein Bund wird ausgeweitet. Aus allen Völkern, kommen Menschen hinzu.
Das Volk Gottes hat die Erfahrung gemacht, dass Gott es aus der Gefangenschaft befreit hat. Mit mächtiger Hand hat der HERR sein Volk aus Knechtschaft der Ägypter herausgeführt. Dieser Auszug aus Ägypten, diese Errettung, ist für das Volk Israel durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch das Urdatum ihrer Geschichte mit ihrem Gott.
Es ist bewundernswert, dass sich dieses Volk von einer ganz besonderen Erfahrung her definiert. Es heißt nicht: Wir sind das Volk, das unterdrückt worden ist und eigentlich immer den Kürzeren gezogen hat, das 40 Jahre durch die Wüste geirrt ist und das darüber fast seinen Glauben verloren hat, sondern: Wir sind das Volk, das Gott erwählt und befreit hat. Und wir glauben daran, dass er auch weiterhin an unserer Seite ist und uns treu sein will.
Uns, die wir durch die Taufe, in den Bund mit Gott aufgenommen wurden, steht solch ein Gottvertrauen auch zu, dass wir es annehmen, sei es in Bezug auf die großen Zusammenhänge oder auf unser ganz persönliches Leben. Sich nicht beständig von Fehlschlägen und Misserfahrungen, von leidvollen Erfahrungen her definieren. Nicht sagen: Wir sind diejenigen, die sie schon wieder betrogen haben. Damals war es so und heute ist es wieder so. Sondern Ausschau danach halten, wo Gott uns in unserem Leben trotz allem hindurchgetragen und errettet hat und uns darum auch weiterhin treu sein wird.
Der Glaube an Gott, der errettet, speist sich aus dem „trotzdem“. Es ist nicht nur eine Frage von Optimismus oder Pessimismus, ob ich sage: Das Glas ist halbvoll oder halbleer. Es hat vielmehr etwas mit Glauben und Gottvertrauen zu tun und mit der Offenheit die Spuren Gottes in meinem Leben zu entdecken und zu deuten.
Dass Gott Menschen erwählt, ist zunächst etwas Einseitiges. Ich bin erwählt und kann mich freuen. Zugleich bedeutet so eine Erwählung aber auch eine Verpflichtung. Und da sind wir doch wieder bei der Fußballmannschaft. Wer in die Mannschaft gewählt wurde, will sich des Vertrauens würdig erweisen und es nicht enttäuschen. In der Bibel ist in dem Zusammenhang von einem Bund die Rede. Ein Bund erfordert Treue von beiden Seiten: „So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen.“
Das ist es, was Mose seinem Volk sagt. Und das gilt im Glauben an Jesus Christus auch für uns: Gott vergibt gewiss keine Treuepunkte. Aber wer nicht treu ist, wird leer ausgehen. Und das ist keine Drohung, sondern eine Erfahrung, die ich machen kann. Wenn ich nicht an Gott festhalte und seine Gebote halte, wenn ich nicht an meiner Taufe dran bleibe, dann zerrinnt mir die Gewissheit, ein Kind Gottes zu sein. Nur dann, wenn ich an Gott festhalte, wird mir die Zuversicht und die Hoffnung zuteil, die aus dem Glauben kommt.
Darum können wir wohl nicht oft genug, die Einladung zur Taufe aussprechen. Darum sollten wir uns immer wieder neu daran erinnern und festzuhalten: Ich bin getauft und gehöre zu Gott und er zu mir. Amen
Lass uns beten:
Guter Gott, du erwählst Menschen und traust auch uns etwas zu. Wir bitten für deine Kirche, dass sie sich gründe auf Jesus Christus, dem Eckstein und aus vielen lebendigen Steinen erbaut, Heimat und ein Ort der Gastfreundschaft für viele werde.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.
Vor dich bringen wir unsere Klage über das Leiden der Welt. Insbesondere bitten wir dich für die Menschen, die unter Krieg und Gewalt, Diktaturen und wirtschaftlicher Not leiden. Stärke alle, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für die Entwicklung in unserem Land. Viele Menschen sorgen sich um die Zukunft und um unsere Erde als bewohnbaren Lebensraum. Fördere alle Bemühungen um einen gerechten Ausgleich und den Schutz der Natur. Mache jungen Menschen Mut, ihr Leben in die Hand zu nehmen und gib auch älteren Menschen eine Perspektive, Gutes zu bewirken.
Wir rufen zu dir: Herr, Erbarme dich.
Wir bitten dich für kranke und einsame Menschen, für trauernde und sterbende, dass sie jemanden haben, der für sie da ist und schenke Hoffnung und die Gewissheit deiner Nähe.
Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an St. Marien herzlich.


Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz