„Wort zum Sonntag“

am 28. Juni 2020

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns. Amen.
Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Seien Sie herzlich gegrüßt mit diesem Spruch, der über der vor uns liegenden Woche steht. Eine Erfahrung kommt darin zum Ausdruck: Wir bemerken es nicht, manchmal wollen wir es auch gar nicht, aber trotzdem –  Gott läuft uns hinterher, damit wir glücklich sind. Das sollte uns froh stimmen und die große Sorge um uns selbst vertreiben.
 
Das Evangelium steht bei Lukas im 15. Kapitel:
Es nahten sich Jesus alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.
Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.
Er aber sagte zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte das Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. Als er aber alles verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mach mich einem deiner Tagelöhner gleich! Und er macht sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn der Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet es; denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte der Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.
Man sagt: Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Das tröstet, wenn man für sich allein und einsam im Zimmer sitzen gelassen wurde. Dann stirbt wenigstens die Hoffnung darauf nicht, dass es trotz allen Schmerzes doch wieder weitergehen kann. Dann bleibt man aufmerksam und sucht nach Vorboten einer neuen Zukunft.
Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Nicht jeder ist erfreut darüber. Denn: hat er nicht gerade alle Türen hinter sich geschlossen, alle Verbindungen gekappt, weil er endlich einmal in Ruhe gelassen werden möchte?! Der frische Wind aber, der durch den Türspalt ins Zimmer weht, bringt auf neue Gedanken. Nein, ein Rückzug ist nicht erlaubt. Eher ein Anders- oder Neudenken. „Raus an die frische Luft!“, heißt es dann.
Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich eine neue. Was für ein Glück für alle, die draußen im Regen stehen, denen die Tür vor der Nase zugeschlagen und der Zutritt verwehrt wurde! ‚Typisch! Ich bleibe immeraußen vor.’, werden sie vielleicht sogar gedacht haben und sich darin wieder einmal bestätigt wissen. Eine Tür, die sich dann öffnet, überrascht. Sie fordert heraus, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu verändern und sich auf neue einzulassen.
Eine Tür, die von innen her aufgeht, zeugt schließlich von einer großen Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit. Unabhängig davon, ob die Tür kräftig aufgestoßen oder ob sie sich ganz vorsichtig und langsam öffnet. Jemand macht die Tür auf, weil er hinausmöchte: heraus aus der Enge der vergilbten Blümchentapete, hinaus ins Weite und zu anderen Menschen.
Die Geschichte vom verlorenen Sohn ist eine Geschichte von Szenen zwischen Tür und Angel. Der eine Sohn verschließt sich. Er will sein eigenes „Ding“ machen. Sein Vater ist das ganze Gegenteil dazu. Er öffnet sich. Immer wieder. Und der Bruder, der ältere Sohn, ist zu selbstverständlich ein und aus gegangen. Er hat die Tür nicht benutzt und deshalb noch nicht begriffen, welche Bedeutung sie hat.
Im Hause Gottes ist ganz schön was los! Denn dafür ist das Gleichnis, das Jesus erzählt, ein Bild. Und wir wünschten uns hier für unsere Kirche ebensolche Geschichte. Nicht nur solche, die davon handeln, wann das Portal offen stehen darf, weil es zu feucht oder zu trocken, zu laut oder zu staubig draußen ist. Nicht nur solche, in denen geregelt wird, wann und wie nach Veranstaltungen alles gelüftet werden kann.
Offene Türen sind viel mehr! Sie sind Zeichen dafür, dass etwas in Bewegung ist. Unser Glaube ist Bewegung. Er ist ein Kommen und Gehen, ein Ausruhen und Aufbrechen, ein Sich-Zurückziehen und Sich-wieder-öffnen. Dafür könnten unsere Türen stehen. Und im Türrahmen stünden wir, um einander auf dem Weg hin und her, heraus und herein zu segnen. Ist unsere Kirche eine Immobilie, so ist dieser Segen die „Mobilie“ – ein unsichtbarer Raum, der uns beschützt und unseren Blick öffnet. Beides zugleich. Und der leichteste Segen ist ein ehrliches „Adieu“ oder „Tschüß“, was nichts anderes bedeutet als „Sei unterwegs mit Gott!“ oder „Sei unterwegs zu ihm hin!“. Amen.
 
Guter Gott, du liebst uns. Egal, was wir tun und wie wir uns entscheiden. Wohin auch immer wir unsere Schritte lenken, wir können heimkehren zu Dir jederzeit. Darauf verlassen wir uns und danken Dir dafür.
Wir bitten Dich für alle, die in sich verschlossen sind. Dringe Du zu ihnen vor. Berühre ihre Herzen, lenke ihre Gedankengänge und öffne ihre Augen für das Schöne im Leben.
Wir bitten Dich für alle, die jetzt unterwegs sind. Beschütze sie und leite sie auf ihren Wegen, dass sie fröhlich sind und heil zurückkehren.
Wir bitten für alle, die aufgeschlossen sind und ihre Türen öffnen. Gib ihnen die Kraft dafür. Lass ihre Gastfreundschaft nicht ausgenutzt werden.
Wir bitten Dich für unsere Kirche, dass sie ein offenes Haus ist, in dem man ein und aus gehen kann, Ruhe und Besinnung findet, um gestärkt wieder an die Arbeit zu gehen.
Wir bitten Dich für unsere Erde, dass sie ein bewohnbares Haus bleibt. Für alle, die auf der Flucht sind vor Krieg und Hungersnot und die neue Lebensräume suchen müssen. Für alle, die nach uns kommen, damit auch sie aus der Fülle Deiner Güte und Deiner Gaben schöpfen können.
Mit Jesu Worten bitten wir Dich um das, was notwendig ist in unserem Leben: Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Gehet hin im Frieden des Herrn:
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir seinen Frieden. Amen.
 

Das sind unsere Kontaktdaten:

Christine Enkelmann im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
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Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich! Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach