Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Psalm 66, 20)
Mit diesem Wochenspruch begrüßen wir Sie am Sonntag Rogate. Das heißt „Betet“. Nichts ist persönlicher als ein Gebet. Eine Zwiesprache mit dem Ewigen. Alles ist darin erlaubt. Jeder Gedanke, jedes Gefühl. Zu jeder Zeit. Davon gehen wir aus. Und daran werden wir heute erinnert.
Es begab sich, dass Jesus an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag. Und vergib uns unsere Sünden; Denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung. Jesus sprach zu seinen Jüngern: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leihe mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und ich sage auch: Bitte, so wird euch gegeben; suchet, so werdet Ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bitte, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange? Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! (Lukasevangelium im 11. Kapitel, Verse 1-13)
Es gehört zu den eindrücklichsten Erlebnissen, wenn Christinnen und Christen aus aller Herren Länder in der jeweiligen Muttersprache zusammen das Vaterunser beten. Alle kennen es. Und wir kennen es nicht nur, sondern wir wissen auch um dessen Bedeutung. Es sind Worte, die Jesus zu beten gelehrt und die Gott versprochen hat zu erhören.
Alles ist darin zusammengefasst. Lassen Sie es uns noch einmal durchbuchstabieren: Wir rufen Gott als unseren Vater an. Manch einer, manch eine verbindet mit dem Begriff eher etwas Negatives. Doch das ist nicht gemeint damit. „Unser Vater“ ist das Oberhaupt unserer Familie, das sich selbstlos sorgt um uns und alles gibt, was es hat, damit es uns gut geht.
Ihm können wir uns anvertrauen. Mit allem, was uns auf der Seele liegt, was wir im Herzen bewegen, was uns durch den Kopf geht. Und wer so bittet, erwartet vom Angebeteten Hilfe. Überzeugender als ein solches Bittgebet kann kein anderer Vertrauensbeweis sein. Denn zu Gott zu beten, das heißt doch nichts anderes, als dass wir ihm zutrauen, uns helfen zu können.
Alle Sorge um das Wohlergehen legen wir ihm ans Herz. In Dankbarkeit dafür, was wir bereits empfangen haben. Im Vertrauen darauf, dass er will, dass wir auch in Zukunft genug zum Leben haben. Das sind nicht nur fromme Wünsche. Es geht dabei sehr wohl um das leibliche Wohlergehen und gleichzeitig um unser Seelenheil.
Denn betend überbrücken wir die Kluft zwischen Gott und uns. Das Gebet kann wie eine Brücke sein über den Graben, den wir mehr oder weniger bewusst ausheben, wenn wir meinen, ohne Gott leben zu können. Das Gebet dagegen weitet jedoch den Blick. Auf Gott hin, auf eine Wirklichkeit hin, die außerhalb unserer selbst existiert. Und in seiner großen Macht und Herrlichkeit soll er uns wiederum helfen, auch den Nächsten, die Nächste direkt neben uns wieder lieben zu können, egal, was geschehen ist. Betend schweifen die Gedanken also ins Unendliche und wieder zurück auf das Naheliegende, bis sie sich schließlich sich selbst nähern. Denn das Böse ist nicht eine Macht außerhalb unserer selbst, sondern wird geboren im eigenen Herzen, in dem außer Liebe leider auch Angst und Neid, Hass und Wut wohnen. Ganz besiegen lassen sich die Gefühle nicht. Aber mit ihnen umgehen zu lernen, dabei möge Gott bitte helfen.
Großartig ist dieses Gebet. Wie lange wird wohl darüber diskutiert worden sein, damit am Ende mit diesen Worten alles gesagt werden kann, worin wir im Leben Beistand und Hilfe nötig haben. Dieses Gebet ist unersetzbar, weil es das ist, was sich bewährt hat. Doch daneben gibt es auch andere Möglichkeiten zu beten. In anderen Sprachen und auf unterschiedliche Weise. Laut und leise, im stillen Kämmerlein und in Messehallen beim Kirchentag, tanzend und singend. Beten ist eine Brücke zwischen uns Menschen und Gott. Beten ist auch etwas Verbindendes zwischen den Religionen. In der Universitätsklinik gibt es einen Raum der Stille. Ich hatte mit einer Patientin dort in Ruhe zusammengesessen und manches besprochen. Und schließlich wollten wir gerade beginnen zu beten, als ein muslimischer Krankenpfleger zufällig hineinkam und ebenfalls beten wollte. Wir haben uns gegenseitig nicht an unserem Vorhaben gehindert. Er betete gen Mekka und wir mit ineinander gelegten Händen. Gebet erfüllte den Raum. Sehr eindrücklich ist es gewesen und überaus intensiv.
Zu beten ist nicht Absonderliches. Ganz im Gegenteil. Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse hatten sich im Religionsunterricht mit dem Beten beschäftigt und sowohl Christinnen und Christen als auch Menschen muslimischen Glaubens daraufhin nach dem Beten befragt. Insgesamt 60 Personen im Alter von 10 bis 80 Jahren, vor allem Kinder. Und diese Befragten haben mutig etwas sehr Privates preisgegeben, ist doch das Gebet etwas ausgesprochen Persönliches in unserer Gottesbeziehung. Fast alle der Befragten antworteten, dass sie schon einmal gebetet haben und dass sie Menschen kennen, die beten. Ein Drittel von ihnen betet täglich, ein Drittel betet oft, ein Drittel betet selten. Ein Drittel der Menschen, die beten, betet nur für sich alleine. Ein Drittel betet immer in einem religiösen Raum. Und ein Drittel betet überall. Und die Erfahrung lehrt, dass Beten beruhigt. Wenn man betet, fühlt man sich sicher. Nach dem Beten geht es einem besser. Denn betend ordnet und sortiert sich ähnlich wie in einem Gespräch das Durcheinander im Kopf und im Herzen. Betend kreisen dann unsere Gedanken nicht mehr um sich selbst, sondern werden einem Gegenüber offenbart. Vor ihm breiten wir die Fülle an Gedanken und Gefühlen aus oder auch diese so hilflos machende Sprachlosigkeit. Wir werden los, was uns beschäftigt oder bedrückt. Wir warten darauf, dass etwas passieren wird. Wir erfahren, wie es sich anfühlt, nicht im leeren Raum zu existieren.
Das Vaterunser beten zu können, mit Menschen betend verbunden zu sein, die Ergebnisse der Befragung dieser 5. Klasse ... all das erinnert uns an noch etwas. Nämlich dass wir weniger nach der Religionszugehörigkeit fragen sollten, um zu erfahren, wess’ Geistes Kind jemand ist. Aussagekräftiger im Blick auf den Glauben in dieser Welt ist vielmehr die Frage danach, wie jemand es mit dem Beten hält. So wie auch diese 5. Klasse Personen daraufhin befragt hat. Denn wer betet, geht davon aus oder rechnet wenigstens damit, dass es irgendwie und irgendwo etwas oder jemanden gibt, den wir ansprechen und dem wir uns anvertrauen können. Und wir dürfen sogar so weit gehen zu sagen, dass es auch an uns liegt, dass Gott existieren kann. Denn je drängender und dringlicher wir uns an Gott wenden, desto wirksamer kann er für uns da sein. Amen.
Wer singt, betet doppelt. Lass uns unsere Fürbitte deshalb singen: "Herr, höre, Herr" (EG 425) nach der Melodie "O Welt, ich muss dich lassen". Erstaunlich an diesem Lied ist, wie sich Gebetsanliegen in ihrer Aktualität durch die Jahrhunderte durchziehen können.
Herr, höre, Herr, erhöre, breit deines Namens Ehre an allen Orten aus; behüte alle Stände durch deiner Allmacht Hände, schütz Kirche, Obrigkeit und Haus.
Gib uns den lieben Frieden, mach alle Feind ermüden, verleih gesunde Luft, lass keine teuren Zeiten auf unsre Grenze schreiten, da man nach Brot vergebens ruft.
Die Hungrigen erquicke und bringe die zurücke, die sonst verirret sein. Die Witwen und die Waisen willst du mit Troste speisen, wenn sie zu dir um Hilfe schrein.
Sei allen Kindern Vater, den Müttern sei Berater, den Kleinen gib Gedeihn; und ziehe unsere Jugend zur Frömmigkeit und Tugend, dass sich die Eltern ihrer freun.
Komm als ein Arzt der Kranken, und die im Glauben wanken, lass nicht zugrunde gehen. Die Alten heb und trage, auf dass sie ihre Plage geduldig mögen übersteht.
Bleib der Verfolgten Stütze, die Reisenden beschütze, die Sterbenden begleit mit deinen Engelscharen, dass sie in Frieden fahren zur ewgen Ruh und Herrlichkeit.
Nun, Herr, du wirst erfüllen, was wir nach deinem Willen in Demut jetzt begehrt. Wir sprechen nun das Amen in unsres Jesu Namen, so ist all unser Flehn gewährt.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Die Glocken unserer Kirche läuten zum Innehalten und zum Gebet: werktags um 8 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr.
Die Kirche ist Montag bis Freitag von 10-16 Uhr und am Sonntag nach dem Gottesdienst bis 12 Uhr geöffnet.
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263 Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052 Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104 Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an St. Marien herzlich.
Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz