Unser Wort zum Sonntag

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.
So seid ihr nicht mehr Gäste und Fremdlinge,
sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
(Brief des Paulus an die Epheser 2,19)
Wir sind nicht nur zu Gast bei Gott, sondern dürfen uns im Glauben an Jesus Christus zugehörig wissen. Er sorgt für die Seinen, seit Anbeginn. So erzählt es eine Geschichte aus dem 2. Buch Mose (Kap 16 Verse 2-3.11-18):
Und es murrte die ganze Gemeinde der Israeliten wider Mose und Aaron in der Wüste. Und sie sprachen: Wollte Gott, wir wären in Ägypten gestorben durch des HERRN Hand, als wir bei den Fleischtöpfen saßen und hatten Brot die Fülle zu essen. Denn ihr habt uns dazu herausgeführt in diese Wüste, dass ihr diese ganze Gemeinde an Hunger sterben lasst. Und der HERR sprach zu Mose: Ich habe das Murren der Israeliten gehört. Sage ihnen: Gegen Abend sollt ihr Fleisch zu essen haben und am Morgen von Brot satt werden und sollt innewerden, dass ich, der HERR, euer Gott bin. Und am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. Das ist's aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte. Und die Israeliten taten's und sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber als man's nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.
Hunger macht böse. Wenn ich Hunger verspüre, bekomme ich schlechte Laune. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, werde ungeduldig. Und gut ist es erst, wenn ich endlich gegessen habe. So in etwa ging es auch dem Volk Israel, als es von Mose aus der Knechtschaft in Ägypten herausgeführt wurde und nun durch die Wüste irrte. Was nützt mir die schönste Freiheit, wenn ich nichts zu essen habe und das Leben bedroht ist?! – Und so begehrt das Volk auf gegen seine Anführer Mose und Aaron: Ach wären wir doch lieber in Ägypten geblieben, da hatten wir unser Auskommen. Da hatten wir nicht nur Brot, sondern saßen sogar vor Fleischtöpfen.
Sicherheit wird auch heute oft gegen Freiheit ausgespielt. Nicht nur dort, wo angesichts einer vermeintlichen oder tatsächlichen Bedrohung am liebsten  freiheitliche Grundrechte preisgegeben würden. Durch dieses Klagen der Israeliten werden wir auch an unsere eigene Situation erinnert. „Was nützt mir die ganze Freiheit, wenn mein Geld nicht reicht, um mein Leben abzusichern“, hören wir Menschen sagen. „Wie schön war es da doch in der DDR“, sagen andere, „da gab es Kindergartenplätze und Arbeit für alle.“ Der Mangel, der damals herrschte gerät dabei häufig in Vergessenheit, nicht nur der Mangel an materiellen Dingen, die ganze Misswirtschaft, sondern auch der Mangel an Freiheit, Gerechtigkeit und Hoffnung. Und auch, dass Menschen wegen ihres Glaubens und einer anderer Meinung Nachteile und manchmal sogar Verfolgung erlitten.
Was sagt Gott zu diesem Murren und Klagen? – Er rät seinem Volk nicht, doch lieber nach den himmlischen Gütern zu streben. Nein, Gott nimmt die materielle Not wahr und versorgt sie mit Wachteln und Manna. Das grenzt an ein Wunder. Aber vielleicht ist es auch etwas ganz Natürliches. Warum soll es im kargen Land nicht Vögelschwärme geben, die eingefangen als Speise dienten. Und auch für das Manna gibt es vielleicht eine plausible Erklärung. Nur scheinbar fällt es vom Himmel. Die Tamariske, wenn er von der Schildlaus gestochen wird, sondert ein Harz ab, das essbar ist. Die Israeliten kannten es nicht. Man Hu?, fragten sie. Auf Deutsch: Was ist das? Und vielleicht ist daraus der Name Manna geworden: Ein Himmelsbrot, ein Geschenk des Himmels. Nur aufzusammeln brauchte man es, und der Hunger konnte gestillt werden.
So ist es mit den guten Gaben. Wir können sie als natürlich und selbstverständlich nehmen. Oder wir sehen darin Gott selbst am Werk. Wer an Gott glaubt, wird im Nachhinein häufig ein Wunder sehen: Gott hat mich nicht im Stich gelassen. Er hat mir in auswegloser Situation einen Weg gewiesen. Er hat mich durchs finstere Tal geführt und mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde gedeckt. Er hat mich in der Wüste meines Lebens gespeist.
Die drängende Frage ist: Warum tut Gott nicht immer so ein Wunder? Warum lässt er die arme Witwe mit ihrer schmalen Rente nicht im Lotto gewinnen. Warum schmeißt er in den Hungersnöten unserer Zeiten nicht einfach genügend Reis vom Himmel? – Wir können die Schuld hier nicht einfach Gott zuschieben. Denn hier geht es um Freiheit und Verantwortung von uns Menschen. Wenn heute Menschen hungern und materielle Not leiden, dann gäbe es genügend Lebensmittel, um sie zu versorgen. Es ist lediglich eine Frage der gerechten Verteilung und effizienten Wirtschaft.
Das Besondere in dieser Geschichte ist, dass das Manna an jedem Tag für alle reichte. Und: man konnte es nicht aufheben und aufsparen für den nächsten Tag – außer für den Sabbat, den Ruhetag. Mit dem Himmelsbrot ließ sich keine Vorratswirtschaft betreiben. Die Israeliten sollten sich bewusst werden, dass dieses Brot ein Geschenk ist. Jeden Tag neu ist dieses Geschenk von Gott entgegenzunehmen, wie das Leben selbst. Sobald ich konserviere und einlagere bin ich selbst Herr des Geschehens und vergesse schnell, dass alle gute Gabe von Gott kommt.
Jesus selbst hat gebetet: Unser tägliches Brot gib uns heute. Also nicht: Unser tägliches Brot gib uns heute und das für morgen und übermorgen gleich mit. Dann habe ich es sicher. Nein, sondern: Unser tägliches Brot gib uns heute.
Das gilt auch in Bezug auf den Vorrat und die Wegzehrung des Glaubens. Auch der Glaube an Jesus als das Brot des Lebens ist nichts Verfügbares, das wir für schlechte Zeiten einlagern könnten – wie einen Vorrat an dem man nicht rührt, sondern erst anbricht, falls mal Bedarf bestehen sollte.
Wer in Glaubensdingen so herangeht, dem wird es so gehen, wie denen die damals Gottes Anweisung missachtet hatten und von dem Manna doch einen Vorrat einsammeln wollten. Als sie am nächsten Tag Hunger hatten und essen wollten, war das Manna verdorben. Genauso unbrauchbar wird ein Glaube, den wir auf Vorrat einlagern wollen.
Der Glaube an Jesus Christus ist vielmehr ein Geschenk, das wir jeden Tag neu empfangen dürfen. Und so schenkt sich Gott nicht im Voraus, sondern ganz aktuell immer wieder. Gott gibt nichts im Voraus. Das ist einerseits hart, für alle, die absolute Sicherheit wollen, aber es steckt auch eine große Verheißung darin. Denn „Unser tägliches Brot gib uns heute“, dürfen wir ja auch morgen und übermorgen beten und darauf vertrauen, dass Gott unser tägliches Verlangen immer wieder neu stillt.
Einer der dieses Geheimnis der täglich neuen Gnade Gottes für sich angenommen hat, ist der Theologe Dietrich Bonhoeffer, der wegen seines Widerstandes gegen die Naziherrschaft inhaftiert und später ermordet worden ist. In den Briefen aus der Haft schreibt er:
„Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“ Amen
 
Lasst uns beten:
Gott, wir kommen mit allem, was uns bewegt, zu dir: Mit unserem Dank für  alles Gute, das uns zuteil geworden ist, für allen Segen und alles Geleit. Wir bringen vor dich aber auch alles, was nicht gelungen ist und zu keinem guten Ende gekommen ist und vertrauen es deiner Barmherzigkeit an.
Herr, wir bitten für deine Kirche für das Miteinander der Konfessionen, lass es von dem Geist Jesu Christi bestimmt sein. Fördere die Verständigung der Religionen. Lass Gutes wachsen im Miteinander und stärke das, was uns verbindet.
Wir bitten dich für das Zusammenleben in den Familien, dass Gespräche zwischen der alten und der jungen Generation, zwischen Menschen unterschiedlicher Meinungen gelingen und wir mehr voneinander verstehen und nicht aneinander vorbei leben.
Wir bitten für die, die hungern nach Brot, nach einem guten Wort, nach einem erfüllten Leben. Hilf, dass sie satt werden und Hilfe und Erfüllung erfahren.
Wir bitten für Menschen, die Unter Terror, Gewalt, Krieg und Verfolgung leiden, dass sie Hilfe erfahren und ein Ende ihrer Schrecken.
Wir bitten dich für die Kranken. Stehe ihnen bei, tröste die Traurigen und richte die Mutlosen auf.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
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Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an St. Marien herzlich.


Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz