Unser Wort zum 1. Sonntag im Advent

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch. Amen
Siehe dein König kommt, ein Gerechter und ein Helfer. Sacharja 9, 9b
Warten kann furchtbar, aber auch sehr schön sein. Es kommt immer darauf an, worauf ich warte. Wenn ich im Wartezimmer einer Arztpraxis sitze, dann kann das Warten zur Qual werden, zumal wenn ich unsicher bin, was mir der Arzt diesmal sagen wird. Ist es eine gute oder eher eine schlechte Nachricht, die mich da hinter der gepolsterten Tür erwartet?
Wenn ich allerdings einen lieben und seltenen Besuch erwarte, dann bin ich ganz erfüllt von dieser Erwartung. Ich habe vielleicht gar keine Zeit, mir viel Gedanken darüber zu machen, weil ich ganz in freudiger Geschäftigkeit aufgehe. Denn ich will ja alles gut vorbereiten. An alles soll gedacht sein: Die Wohnung ist zu putzen, das Essen ist vorzubereiten und der Tisch zu decken. Schließlich sollen sich meine Gäste doch wohlfühlen! Wenn ich dann rechtzeitig fertig bin und alles geschafft ist, bin ich ganz erfüllt von der Freude des Wiedersehens.
Aber es gibt auch die Erfahrungen der Niedergeschlagenheit, wenn es draußen und in uns drinnen grau ist und wir denken: Es passiert ja sowieso nichts mehr. Dann ist unsere Sehnsucht versiegt, wie ein Bach in der Wüste.
Darum ist es gut, dass es die Adventszeit gibt. Sie ist die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, voller Erwartung und Vorfreude. Hinter den äußerlichen Dingen und Bräuchen, die so angenehm sind, steht ja der eigentliche Grund des Weihnachtsfestes:  Gott will zu uns kommen. Er wird als Menschenkind geboren und will dem Leben eine gute Wendung geben.
Mit dieser Sehnsucht auf das Kommen Gottes, sind wir aufs Engste mit dem Volk Israel verbunden. Im Buch des Propheten Jeremia heißt es (Kap 23, 5-8):
Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will. Der soll ein König sein, der wohl regieren und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. Zu seiner Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn nennen wird: »Der Herr ist unsere Gerechtigkeit«. Darum siehe, es wird die Zeit kommen, spricht der HERR, dass man nicht mehr sagen wird: »So wahr der HERR lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat!«, sondern: »So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel heraufgeführt und hergebracht hat aus dem Lande des Nordens und aus allen Landen, wohin er sie verstoßen hatte.« Und sie sollen in ihrem Lande wohnen.
Als der Prophet das verkündet, war die Politikverdrossenheit groß. Etliche Könige hatten außenpolitisch so ungeschickt agiert, dass sie ihr Volk in die Gefangenschaft der Babylonier führten. Die Eliten wurden deportiert, das Land blieb über Jahrzehnte besetzt und lag wirtschaftlich am Boden. Es sind wohl diese Erfahrungen, die den Gottesmann Ausschau halten lassen nach einem König und Herrn der Gerechtigkeit, der allen Missständen ein Ende machen und das Volk aus der Fremdherrschaft herausführen würde. Ein Nachfahre Davids, des großen Königs, müsste es sein!
Was erwarten wir heute? Auch unter uns gibt es große Erwartungen in die Politik, die selten genug eingelöst werden: Frieden, soziale Gerechtigkeit, bezahlbaren Wohnraum, Wohlstand für alle, der nicht auf Kosten anderer, selbst künftiger Generationen erwirtschaftet wird. Welche Last wünschen wir uns von den Schultern, der Seele genommen? – Viele Dinge belasten uns und sind schwer wie ein Stein: der Krieg in unserer Nachbarschaft, steigende Preise, Personalmangel, Unsicherheit allerorten… Wo ist da Rettung in Sicht?
Im Evangelium des 1. Adventsonntags ist von einer Menschenmenge die Rede, die voller Spannung auf Jesus wartet, als er nach Jerusalem einzieht. Auch Jesus wird wie ein König empfangen. Die Menschen rollen zwar keinen roten Teppich aus, dafür legen sie aber vor ihm ihre Kleider auf den Weg und winken mit Palmzweigen, die sie von den Bäumen geschnitten haben.
Sie erwarten etwas von Jesus. Sie rufen: „Hosianna dem Sohn Davids“. Jesus wird als ein König empfangen, der in der Nachfolge des Königs David steht und auf dem alle messianischen Hoffnungen ruhen. „Hosianna“ das ist ein Jubelruf. Aber gleichzeitig ist es ein Hilfeschrei: Hosianna – d.h.:  „Hilf Herr!“
Diese gespannte Haltung ist die wahre Adventsstimmung. Nicht im Lamentieren oder im Schwadronieren über die politische Lage, wie es allerorten zu hören ist, sondern in der Sehnsucht und im Gebet, dass sich in den beiden Worten ausspricht: Hilf Herr!
Zur Adventszeit gehört nicht nur die sehnsuchtsvolle Erwartung, sondern auch die Erinnerung und Vergegenwärtigung. In den Worten des Propheten spiegelt sich die Erinnerung an das Gute wider, das dem Volk Israel von ihrem Gott widerfahren ist: „So wahr der Herr lebt, der die Israeliten aus Ägyptenland geführt hat“, so heißt es dort in einer Bekräftigungsformel. Wo sind unsere Erinnerungen an Befreiung und Errettung? – Ich denke, in jedem Leben gibt es die – wenn auch manchmal verschütteten – Erfahrungen, noch einmal mit dem Schrecken davongekommen zu sein. Diese Erinnerungen gilt es festzuhalten.
Das Volk Israel lebte davon, dass es sich die alten Verheißungen ihrer Väter und Mütter vergegenwärtigt hat und daraus eine große Hoffnung gewonnen hat. So auch hier, wo betont ist: Es soll nicht nur heißen: So wahr der Gott lebt, der die Israeliten damals aus der Wüste geführt hat, sondern: So wahr der Gott lebt, der uns die Nachkommen des Hauses Israel befreit hat. – Auf diese Weise hielten sie die Erwartung in sich lebendig, dass der Herr hilft.
Diese Vergegenwärtigung ist wichtig. Auch die Geburt Jesu hatte nicht nur Bedeutung für die die Hirten auf dem Felde und die Weisen aus dem Morgenlande. Jesus Christus, ritt nicht nur damals vor 2000 Jahren durch das Stadttor von Jerusalem. Jesus Christus will auch heute in unser Herz einziehen unser Leben verwandeln, Hoffnung und Tatkraft schenken, so wie es in dem Lied heißt, das zur Vorbereitung auf Weihnachten dazu gehört: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein.“ Amen
 
Lasst uns beten:
Guter Gott, du willst zu allen Menschen kommen. Komm auch zu uns. Lass uns dich mit offenen Türen empfangen und öffne unsere Herzen für dich und andere Menschen, die Hilfe brauchen.
Wir bitten für alle Menschen, die verfolgt werden, die nicht in Frieden leben können und heimatlos sind. Tröste die Trauernden und schenke Frieden für unsere friedlose Welt.
Wir bitten für alle, die in der Adventszeit einsam sind. Lass Eltern Zeit haben für ihre Kinder und auch die alten Menschen jemanden, der für sie da ist. Sei du ihnen nahe.
Wir bitten für die kranken Menschen. Schenke Ihnen Hoffnung und Zuversicht. Und lass sie nicht allein.
 
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen
Der Herr segne dich und behüte dich,
der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig,
der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263
Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052
Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104
Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Nachbarschaftshilfe - 0162 7687770

Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter an St. Marien herzlich.


Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz