Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch.
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103, 2)
Mir passiert es in letzter Zeit häufiger, dass ich gute alte Bekannte wiedertreffe. Wenn ich zum Klassentreffen oder zu einem Familientreffen fahre, dann versteht es sich von selbst. Aber manchmal ist es auch ganz unverhofft, dass jemand anruft, den ich lange nicht gesehen habe. Und dann ist die Überraschung groß, wenn es heißt: Ich bin in der Stadt. Hast du Zeit, wollen wir uns treffen? Eine ganz besondere Begegnung wartet auch heute an diesem Sonntag auf uns. Es ist für die meisten ein guter alter Bekannter. Ich weiß nicht, ob Sie mit ihm gerechnet haben. An diesem Tag, in diesem Gottesdienst, dürfen wir damit rechnen, dass Gott uns begegnet. Das ist die wichtigste Person in unserem Leben. Gott hat uns geschaffen. Er begleitet uns oftmals, ohne dass wir es wahrnehmen. Und zu ihm sind wir unterwegs. Denn er steht nicht nur am Anfang, sondern auch am Ende unseres Lebens. Im Mittelpunkt der Predigt steht heute auch eine besondere Begegnung. Ein Mensch begegnet Jesus, und das Ganze berührt und verändert ihn:
Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,1-9)
Viele kennen diese Geschichte noch aus Kindertagen. Sie wird und wurde oft im Religionsunterricht oder in der Christenlehre erzählt, weil sie für Kinder so anschaulich ist. Zachäus ist ein gern gesehener Gast im Kindergottesdienst. Er sitzt oben im Baum, und als Jesus vorbeikommt, ruft er ihn herab. In der Darstellung einer bebilderten Kinderbibel hat Zachäus zumeist ein gutmütiges Gesicht. Für Kinder ist er eine Identifikationsfigur, weil sie selbst auch klein sind und gerne auf Bäume klettern. Aber im Grunde genommen ist Zachäus ein richtiger Fiesling. Er ist in Jericho Generalpächter und damit so etwas wie der Chef der Zollbehörde. Als solcher ist er unbeliebt bei den Menschen. Nun ist es wohl auch heute so, dass jemand, der Gebühren- und Bußgeldbescheide ausstellt oder Parkknöllchen verteilt, durch diese Tätigkeit nicht sonderlich viele Sympathien auf sich vereinigen kann. Aber das war es nicht allein. Zachäus arbeitete mit den verhassten Römern zusammen, und er ist zudem noch korrupt. Er ist bestechlich und arbeitet in die eigene Tasche. Aber dennoch ist Zachäus neugierig auf Jesus. Er hat von ihm gehört und erwartet etwas von ihm: Dieser Tag könnte zu einem besonderes werden. An diesem Tag könnte mein grauer Alltag durchbrochen werden. Da könnte eine ganz besondere Begegnung passieren. Und Jesus? Er hebt den Blick und sieht ihn. Er kennt seinen Namen und ruft wie zu einem alten Bekannten: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Und so geschieht es. Zachäus empfängt Jesus und durch diese Begegnung ändert sich alles. Er verspricht Inventur zu machen in seinem Leben und das geschehene Unrecht wieder gut zu machen.
In dieser Geschichte geschieht eine unerwartete und heilsame Begegnung. Zachäus, der Kleinwüchsige, den keiner durchließ, weil er so verhasst war, hat sich etwas einfallen lassen. Er läuft voraus und klettert auf einen Baum, um Jesus besser sehen zu können. War das schlau? Wenn er entdeckt würde, würde er sich doch lächerlich machen! Dort saß er nun, der verhasste Zolleintreiber, neugierig was passieren würde, vielleicht mit einer unbestimmten Hoffnung. Er hält sich unter den Zweigen des Baumes bedeckt. Was wird aus mir werden, wenn mich Jesus entdeckt? So ein Baum ist ja nicht nur ein guter Aussichtspunkt. Er ist auch ein gutes Versteck. Und so konnte er nicht damit rechnen, dass Jesus genau unter diesem Baum stehen bleibt und ruft: Zachäus steig herab!
Solch unerwartete Begegnung mit Jesus Christus ereignen sich bis auf den heutigen Tag immer wieder und oftmals ganz unverhofft. Hauptsache ich verschließe mich dann nicht, und sage nicht: Ach hör mir doch auf mit Glauben und Religion! – Dann genügt ein wenig Neugier und Offenheit, dass ich mich hervorwage. Dann genügt es, dass ich mich an Orte begebe, wo Jesus vorbeikommen könnte. Dann genügt es, in einen Gottesdienst zu gehen oder im Urlaub in eine Kirche und mich still hinzusetzen und in Gedanken ein kurzes Gebet zu sprechen. Dann genügt es mal wieder in der Bibel zu lesen. Und mit einem Mal höre ich, womit ich eigentlich nicht gerechnet habe, oder doch(?), dass mich seine Stimme ruft: Komm herunter vom Baum. Komm herunter vom hohen Ross deiner selbstgenügsamen Weltdeutung und deiner intellektuellen Zweifel. Komm heraus aus deinem Versteck der Trägheit und alltäglichen Sorgen, wo du dich verkriechst. Heute will ich bei dir einkehren!
Zachäus hat nach dieser Begegnung in seinem Leben Generalinventur gemacht. Nun werden wir hoffentlich nicht so viele Leichen im Keller haben, aber dennoch ist es unerlässlich bei so einer Begegnung mit Jesus Inventur zu machen. Was ist die Bilanz der vergangenen Jahre? Welchen Ballast trage ich mit mir herum? Was hindert mich in Beziehung zu Gott und zu Menschen zu treten? Wo stehe ich mir selbst im Wege und dem Guten, das ich tun will. Wo kann ich mich ändern und etwas wieder gut machen? Diese Fragen und Antworten darauf ergeben sich bei der Begegnung mit dem gekreuzigten und auferstanden Christus ganz von allein. Solche Momente der Einkehr und Neuorientierung sind wichtig, damit ich nicht die Richtung meines Lebens aus den Augen verliere.
Jesus sagt am Schluss dieser unerwarteten Begegnung: „Heute ist deinem Haus Heil wiederfahren, dann auch er ist Abrahams Sohn.“ Auf dieses „heute“ kommt es an. Nicht erst Morgen oder übermorgen und dermaleinst sondern heute ist es Zeit, Gott die Ehre zu geben, ihn hereinzulassen und einen Neuanfang zu wagen. Jesus Christus kommt vorbei und will jeden einzelnen von uns finden, egal wo wir stecken, selbst wenn wir uns verstecken und nicht vortrauen, weil wir befürchten, unser Leben würde sich verändern. Das kann passieren. Aber das ist keine Drohung, sondern eine Verheißung! Zachäus wird an dieser Stelle von Jesus als Sohn Abrahams bezeichnet. Im Glauben an Jesus Christus sind wir mit hineingenommen in diesen Bund. Lassen wir diesen Gast hinein. Amen
Lass uns beten:
Guter Gott, wir kommen mit allem, was uns bewegt, zu dir: Mit unserem Lob und Dank, aber auch mit unserer Klage und unseren Bitten. Wir blicken zurück auf alles Schöne, das uns zuteilgeworden ist, auf alle Führung und alles Geleit.
Wir bringen vor dich aber auch alles, was nicht gelungen und zu keinem guten Ende gekommen ist und vertrauen es deiner Barmherzigkeit an. Schenke uns neue Einsichten und Orientierung, dass wir unser Leben nach dir ausrichten und unseren Mitmenschen und deiner Schöpfung gerecht werden.
Wir bitten für die politische Entwicklung in unserem Land. Viele Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft. Lass sie ihre Verantwortung wahrnehmen. Stärke alle, die sich für konstruktive Lösungen und das demokratische Miteinander einsetzen und wehre dem Hass und der Spaltung.
Vor dich bringen wir unsere Klage über Krieg und Gewalt in unserer Welt. Wehre dem Töten und der Gewalt. Lass Frieden werden, dass Menschen Hilfe und Schutz erfahren, und schenke den an Leib und Seele Verletzten Zuversicht.
Wir bitten für die einsame und kranke Menschen, für alle, die trauern. Steh ihnen bei, dass sie den Lebensmut nicht verlieren und an ihrem Geschick nicht verzweifeln und schenke ihnen die Gewissheit deiner Nähe.
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen
Die Glocken unserer Kirche läuten zum Innehalten und zum Gebet: werktags um 8 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr.
Die Kirche ist Montag bis Freitag von 10-17 Uhr, Samstag von 11-15 Uhr und am Sonntag nach dem Gottesdienst bis 12 Uhr geöffnet.
Das sind unsere Kontaktdaten:
Marion Steffen im Büro - 03834 2263 Pastor Dr. Bernd Magedanz - 03834 8477052 Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach - 03834 886104 Angela Jütte im Treffpunkt Kirche - 03834 883375
Wir grüßen Sie im Namen des Kirchengemeinderates und aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an St. Marien herzlich.
Ihre Pastorin Dr. Ulrike Streckenbach und Ihr Pastor Dr. Magedanz