Rundgang durch St. Marien

Ein Meisterwerk norddeutscher Backsteingotik

Liebe Besucher, wir heißen Sie herzlich willkommen und freuen uns über Ihr Interesse an den Kunstschätzen unserer Kirche. Wir möchten Sie zu einem Rundgang durch die Kirche einladen und haben dafür Wissenswertes ausgewählt und zusammengestellt.

Der Altar – Wie man Licht malt

Der Altar wurde 1837 von C. J. G. Giese aus Greifswald, einem Schinkel-Schüler, entworfen und von Christian Friedrich, einem Bruder des berühmten Greifswalder Malers Caspar David Friedrich, umgesetzt. Der Rahmen des Altarbildes entstand in der Stralsunder Firma Mackenthun. Der Neubau des Altars war notwendig geworden, weil während der Nutzung der Kirche als Heeresmagazin zur Zeit der französischen Besatzung das Inventar fast vollständig verloren gegangen war. Im Zentrum steht das Altarbild: Eine Kopie der „Heiligen Nacht“ von Correggio, gemalt im Jahre 1806 von Friedrich August von Klinkowström (1778-1835). Damals und heute ist es faszinierend, wie Licht gemalt werden kann. Auf dem Bild erstrahlt das neugeborene Kind in einem gleißenden Licht: Christus, das Licht der Welt. Es erleuchtet und blendet seine Mutter und die Hirten. Sogar bis zu den himmlischen Heerscharen reicht es. Wer genau hinsieht, erkennt Josef mit dem Esel im Hintergrund. Er bleibt im Halbdunkeln. Am Horizont wird der anbrechende Tag sichtbar.

Das Kirchenfenster – Das Kreuz im Licht der aufgehenden Sonne

Die Glasmalerei im Ostfenster des Mittelschiffs stammt aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Abgebildet ist die Kreuzigungsgruppe: Jesus am Kreuz mit Maria und Johannes, dem  Lieblingsjünger. Zu Füßen des Kreuzes kniet Maria Magdalena. St. Marien ist nach Osten ausgerichtet. Das Licht des anbrechenden Tages durchleuchtet also das Fenster und die frohe Botschaft wird sichtbar: Durch das Kreuz und durch Trauer und Leid hindurch beginnt etwas Neues.

Die Kanzel – Ein Farbenspiel in Holz

Die Kanzel in St. Marien ist 1587 vom Rostocker Kunsttischler Joachim Mekelenborg angefertigt worden. Etwa 60 verschiedene Holzarten wurden für die beeindruckenden Schnitz- und Intarsienarbeiten verwendet. Sie sind es, die die Kanzel so farbenfroh machen. Im Mittelpunkt des Kanzelkorbs ist Christus als Salvator mit der Weltkugel in der Hand abgebildet, neben ihm Johannes der Täufer mit dem Lamm. Beide werden gerahmt durch Petrus mit dem Schlüssel und Paulus mit dem Schwert. An der Kanzeltreppe sind die vier Evangelisten mit ihren Attributen dargestellt:  Johannes mit dem Adler, Lukas mit dem Stier, Markus mit dem Löwen und Matthäus mit dem Engel. Auf der Kanzeltür innen ist Martin Luther am Schreibtisch sitzend zu sehen. Außen über der Tür ist „Maria im Rosenhag“ angebracht. Am Pfeiler unter dem Schalldeckel befinden sich Gemälde der Reformatoren. Es ist links Johannes Bugenhagen, der „Doctor Pomeranus“. Er hat den evangelischen Glauben in den Norden gebracht. Daneben sind Martin Luther und Philipp Melanchthon, der Verfasser der Confessio Augustana, dargestellt. Die musizierenden  Engel auf dem Schalldeckel „verkündigen“ die Botschaft: VERBUM DOMINI MANET  IN AETERNUM (Das Wort Gottes bleibet in Ewigkeit). An der Kanzeltreppe und am Kanzelkorb, unterhalb der Brüstung, verläuft die Inschrift: LABIA SACERDOTIS CUSTODIENT SCIENTIAM ET LEGEM REQUIRENT EX ORE EIUS (Die  Lippen des Priesters sollen die Lehre hüten, und aus seinem Munde sollen sie das Gesetz erwarten) – REGES ERUNT NUTRITII TUI ET REGINAE NUTRICES TUAE (Könige werden deine Nährer und Königinnen deine Ammen sein). Unter dem Gesims zeigen die gerahmten Felder der Stirnseite weitere Inschriften: GLORIFICANTES ME GLORIFICABO CONTEMNENTES  ME  ERUNT  IGNOBILES (Diejenigen, die mich rühmen, werde ich rühmen; diejenigen, die mich verachten, werden ruhmlos sein). ESTO FIDELIS USQUE AD MORTEM ET DABO TIBI CORONAM VITAE (Sei treu bis zum Tod, und ich werde dir die Krone des Lebens geben). UMBRA MANUS MEAE PROTEGAM TE UT PLANTES COELOS (Mit dem Schatten meiner Hand werde ich dich beschützen, damit du die Himmel bepflanzt).

Das Taufbecken – Wasser des Lebens

Es ist sehr wahrscheinlich, dass im Zusammenhang mit dem Bau des Altars auch das Taufbecken, vermutlich 1835-37, entstanden ist. Dann könnte es von C. J. G. Giese entworfen und von dem Tischler Christian Friedrich gebaut worden sein. Zuvor hat es ein Taufbecken westlich der Kanzel auf der Nordseite gegeben. Es befand sich in einem prächtigen Bau, der bis zur Empore hoch reichte und oben geschmückt war durch eine gotische Monstranz.

Die Grablegung – Voll Trauer und Schmerz

Die Grablege gehört zu einem größeren Ensemble. Sie war Bestandteil des Gestühls der in Greifswald angesehenen Familie von Essen. Vermutlich ist sie 1710 entstanden, nachweislich gibt es sie seit dem Frühjahr 1714. Sie stand nördlich des Altars im zweiten Joch von Osten und ist von nicht geringer kunsthistorischer Bedeutung, da sie vermutlich unter dem Einfluss der Schlüter- Werkstatt entworfen wurde.

Der Perusiusstiefel – Der Sieg über den Teufel

Mit Beginn des Dreißigjährigen Krieges ist das Leben in Greifswald fast ein Jahrhundert lang durch Kriege geprägt. Mord  und  Totschlag, Raub und Plünderungen stehen auf der Tagesordnung. Als „Inkarnation des Teufels“ haben die Greifswalder den kaiserlichen Kommandanten Perusius erlebt. Als er endlich besiegt war, jubelte die ganze Stadt. Bis ins 19. Jahrhundert wurde im Andenken daran das Perusius-Fest gefeiert. Teile seines Beinpanzers sind in St. Marien aufbewahrt.

Der Wal – Ein Naturereignis zum Nachdenken

Am 30. März 1545 strandete in Wieck bei Greifswald  ein Wal. Sein Fund erregte großes Aufsehen und wurde als ein Zeichen Gottes gedeutet. In einem Wandbild ist das seltene Ereignis in St. Marien dokumentiert. Ob dieses Bild darüber hinaus weitere Funktionen hatte, ist unklar. Vielleicht soll an die Geschichte des Jona erinnert werden, der in einem großen Fisch den Sturm im Meer überlebt hat und nach drei Tagen wieder ausgespuckt wird, um seinen von Gott erhaltenen Auftrag zu erfüllen. Möglicherweise wurde der Bereich des Seitenschiffes, in dem sich die Wandmalerei befindet, auch als Baptisterium genutzt, also als ein Raum, in dem getauft wurde. Es kann auch sein, dass am Beispiel des verendeten Wals die Folgen offensichtlich gemacht werden sollten, die sich ergeben, wenn man sein Element – für die Christen ist das der Glaube – verlässt. Wer weiß? Vor kurzem fand man ein ähnliches Bild in der Greifswalder Nikolaikirche. Dort ist es über dem Eingang in die Sakristei zu sehen.

Die Gedächtniskapelle – Die Passionsgeschichte in Bildern

Die Malereien in der Kapelle im südlichen Seitenschiff wurden 1865 erstmals freigelegt. Sie gehören zu den besterhaltenen Beispielen mittelalterlicher Bildprogramme in Nordostdeutschland. Die vier Passionsszenen an der westlichen und östlichen Kapellenwand werden begrenzt von vegetabilen und geometrischen Friesen. Ein ornamentaler Bildhintergrund mit Sternenmuster füllt die restlichen Wandflächen aus. Es ist eine von 12 Weihekreuzen unterbrochene Inschrift sichtbar. Sie lautet übersetzt: „Im Jahre des Herrn 1411 ist diese Kapelle geweiht worden zur Ehre des allmächtigen Gottes und der Apostel Philippus, Jakobus, Johannes des Täufers, Georg, Katharina, Barbara, Dorothea, Magdalena.“ Heute ist die Kapelle als Gedächtniskapelle für die Opfer beider Weltkriege eingerichtet. In den Nischen liegen Bücher mit den Namen der Gefallenen.
Zu sehen ist auf der Westseite der Garten Gethsemane: Jesus kniet betend. Links liegen drei schlafende Jünger. Im Hintergrund stehen Soldaten und Judas, der Jesus verriet. Darunter ist Jesus an der Geißelsäule dargestellt. Um ihn herum stehen die Folterknechte. Auf der gegenüberliegenden Seite trägt Jesus sein Kreuz inmitten einer jolenden Menge nach Golgatha. Unten ist der Gekreuzigte dargestellt. Links neben dem Kreuz steht Maria. Ihr Herz wird von einem Schwert durchbohrt. Sie trägt ein offenes Buch. Neben ihr ist Thaddäus mit der Keule zu sehen. Auf der rechten Seite sind Johannes, der Lieblingsjünger, und Jakobus, d. J., mit einer Walkerstange dargestellt.

Der Passionsstein – Die Leidenswerkzeuge bei der Kreuzigung

Auf dem Passionsstein sind Gegenstände zu sehen, die in der Leidensgeschichte Jesu von Bedeutung sind (von links oben nach rechts): Der Hahn, das Schweißtuch der Veronika mit dem Antlitz Christi, die Dornenkrone mit Stäben, die gefesselten Hände Christi, die Martersäule, der Staubbesen und die Geißel vor dem Kreuz, der ungenähte Rock Christi, das Säckel für die Silberlinge des Judas, die Waschschüssel des Pilatus, die Hämmer zur Kreuznagelung, die Laterne mit dem Schwert des Petrus und dem Ohr des Malchus, das Rohr mit dem Essigschwamm, die Lanze und die Leiter zur Kreuzabnahme, die Nägel mit Zange und Bohrer. Der Passionsstein stammt aus dem 16. Jahrhundert und gehörte der Familie Völschow. Rechts neben dem Kreuz ist ihr Wappen zu sehen.

Die Orgel – Ein unverfälschter romantischer Klang

Im Jahr 1866 hat der Stralsunder Orgelbauer Friedrich Albert Daniel Mehmel (1827-1888) die Orgel in St. Marien erbaut. Sie wurde am 4. Adventssonntag desselben Jahres eingeweiht. Der königliche Musikdirektor August Wagner stellte bei der Abnahme am 22. Januar 1867 fest: „Der ganze Orgelbau ist als gelungen zu betrachten und das Werk macht dem Erbauer alle Ehre.“ Mehmels Zeitgenossen lobten die Art seines Intonierens und beschrieben den Klang als tragend, sehr weich und farbig. Auch bei einer vollen Kirche behält die Orgel mit ihren 37
Registern und ca. 2000 Pfeifen ihren unverfälschten romantischen Klang. Allein in Vorpommern hat Mehmel ca. 45 Orgeln gebaut, von denen das Instrument in St. Marien das größte noch erhaltene ist.

Die Grablege – Eine Greifswalder Familie präsentiert sich

Die Grablege gehört zu einem größeren Ensemble. Sie war Bestandteil des Gestühls der in Greifswald angesehenen Familie von Essen. Vermutlich ist sie 1710 entstanden, nachweislich gibt es sie seit dem Frühjahr 1714. Sie stand nördlich des Altars im zweiten Joch von Osten und ist von nicht geringer kunsthistorischer Bedeutung, da sie vermutlich unter dem Einfluss der Schlüter- Werkstatt entworfen wurde.

Die Annenkapelle – Ganz in Familie

Die Annenkapelle an der Südseite des Kirchenschiffs  wurde um 1335 gebaut. Unter diesem Namen fand sie erstmals 1492 im Testament der Katharina Rubenow Erwähnung. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wird die Annenkapelle als Winterkirche und Konzertsaal genutzt. Von Bedeutung sind die zwei nebeneinander liegenden polygonalen Altarnischen mit ihrem Ostschluss. Dies ist einmalig unter den Kapellen und Vorhallen im norddeutschen Raum. Das Portal mit seinem farblich gestalteten Mauerwerk und dem Fries aus Blättern und einem gedrehten Seil zählt zum Ältesten, was an St. Marien bewundert werden kann. Darüber ist das Relief eines heute nicht mehr erhaltenen Flügelaltars, vermutlich aus einer Stralsunder Werkstatt vom Anfang des 16. Jahrhunderts, zu sehen. Darauf wird die Heilige Sippe dargestellt: Maria mit dem Neugeborenen auf dem Schoß nebst Josef und ihren Eltern, Anna und Joachim – oben links –, inmitten von Onkeln, Tanten und Neffen. In dieser Darstellung  findet der Wunsch einen Ausdruck, Familienangehörige Jesu, wie sie in der Bibel genannt werden, so einander zuzuordnen, dass an der Jungfräulichkeit der Maria festgehalten werden kann. Außerdem wird damit auf die vornehme Herkunft der Maria, wie sie im Protevangelium des Jakobus‘ beschrieben wird, hingewiesen.

Der Rubenowstein – Eine in Stein gehauene Todesanzeige

Der sogenannte Rubenowstein ist ein Gedenkstein für den Bürgermeister und Universitätsgründer Heinrich Rubenow, der am Silvesterabend 1462 im Auftrag seiner innerstädtischen Gegner von zwei Mördern im Rathaus mit der Axt erschlagen wurde. Im Jahr 1702 wurde der Stein aus der Kirche des Franziskanerklosters nach St. Marien gebracht. Dort war Rubenow bestattet worden war. Auf dem Stein oben ist das Himmlische Jerusalem dargestellt. In der Mitte wird der Gekreuzigte gezeigt, daneben Johannes, der die vor Schmerz zusammengesunkene Maria stützt.
Der Gekreuzigte spricht zu ihnen: ECCE MATER TUA – MULIER ECCE FILIUS TUUS (Siehe, deine Mutter – Frau, siehe, dein Sohn). Rechts unter dem Kreuz ist der knieende Rubenow im Professorenmantel mit einem kurzem, hermelinbesetzten Kragen zu sehen. So ist er auch auf einem Bild dargestellt, das im Greifswalder Dom hängt. Das Spruchband lehnt sich an Worte des Gekreuzigten an und lautet: OCCISI TEMERE DEUS ALME MEI MISERERE IGNOSCENDO MEIS QUI PUPUGERE REIS (Gnädiger Gott, erbarme dich meiner, des blindwütig Ermordeten, und verzeih den an mir Schuldigen, die (mich) erstachen). Unter dem Kreuz ist Rubenows Wappen zu sehen: ein schräger Balken zwischen Weinblättern, darauf drei springende Hunde mit Halsbändern. Auf dem unteren Feld ist eine niederdeutsche Inschrift zu lesen, die jedoch auch hochdeutsche Formen aufweist: UPPE NYEN JARES AUEN DE DES LESTEN DAGHES DES IARS DER BORD CHRISTI MCDLXII WART SLAGHEN HER HINRIK RUBENOW DOCTOR IN BEIDEN REGTEN UNDE BORGHEMEISTER HYR (Am Vortag des Neuen Jahres, am letzten Tag des Jahres nach der Geburt Christi 1462 wurde Herr Hinrich Rubenow, Doktor beider Rechte und Bürgermeister, hier erschlagen).

Der Turm – Ein Wahrzeichen unserer Stadt

Der 64 Meter hohe Turm von St. Marien gehört zur Silhouette Greifswalds. Er ist im Rahmen von Führungen zugänglich.

Die Glocken

Das Geläut im Turm besteht aus drei Glocken. Die größte und älteste ist die Betglocke, die 1418 von Johannes Karl aus Bronze gegossen worden ist. Sie wiegt 60 Zentner. Die Glocke hatte wohl schon seit ihrem Guss eine schadhafte Krone, die in der Folgezeit abgetrennt wurde. Nach der Erneuerung der Krone im Jahr 2008 wurde die Glocke wieder im Glockenstuhl angebracht. Die Arbeiten wurden nach historischem Muster durch die Glockengießerei Rincker ausgeführt und durch die Firma Lachenmeyer aufgeschweißt.
Die zweite Glocke, die Wächterglocke, wurde am 11. Juli 1569 von Johannes de Borch aus Bronze gegossen. Wegen eines Sprungs wurde die Glocke in den 1960er Jahren im Turmraum aufgestellt. Im Turm hängt seit 1981 ein nahezu identischer Nachguss. Am Original fehlt die Mittelöse der Krone. Die plattdeutsche Inschrift ist zwischen den Zeilen durch ein Palmettenfries getrennt und zeigt teilweise figürliche Worttrenner. Sie diente u. a. zum Anzeigen der “Polizeistunde”: DE WACHTER KLOCKE BIN ICK GENANNT, ALLEN FUCHTEN BRODERS WOHL BEKANNT, KROGER, WEN DU HOREST MINEN LUTH, SO JACH DE GESTE TOM HUSE UTH. 1569 (Die Wächterglocke bin ich genannt, allen feuchten Brüdern wohl bekannt, Krüger, wenn du hörst meinen Laut, so jag die Gäste zum Hause raus.)
Die dritte und kleinste Glocke von 1614 dient zur Zeit als Schlagwerk für die Turmuhr.

Das Lastenrad

Das Lastenrad befindet sich im zweiten Turmgeschoss. Seit dem Mittelalter wurde damit Baumaterial auf Höhe gebracht, ob Mauerstein, Kalk oder Ziegel. Angetrieben von bis zu vier Männern konnte es Lasten bis zu 500 kg hinaufschaffen. Das Rad hat einen Durchmesser von ca. 4 Meter.

Die Uhr

Die Uhr von St. Marien ist die letzte mechanische Großuhr in Greifswald. Sie befindet sich im ersten Turmgeschoss. Gebaut wurde sie von der Firma Wreule aus Bockenem (Harz) im Jahre 1911. Sie besteht aus insgesamt 4 Werken. Das erste Werk ist das Pendel, das den Minutentakt schlägt (52 Pendelausschläge entsprechen 1 Minute). Das zweite Werk ist der Zeigerantrieb, das dritte ist der Viertelstundenschlag und das vierte der Stundenschlag. Als Antrieb dienen Gewichte. Für den Zeigerantrieb ist dieses Gewicht 500 kg schwer. Einmal aufgezogen läuft die Uhr eine Woche lang.

Die Gerichtshalle – Das geistliche Gericht

Im Turmuntergeschoss fällt ein Raum durch seine besondere Gestaltung auf. Nach neuester Erkenntnis kann es sich hierbei um eine europaweit einmalige mittelalterliche Gerichtshalle handeln. Diese Annahme wird untermauert durch die Tatsache, dass 1319 und 1330 nachweislich geistliches Gericht in St. Marien gehalten wurde. Die nahezu vollständig erhaltene Ausstattung dieses Raums verdient eine genauere Betrachtung: Das aufwendig gestaltete Innenportal ist mit Blatt- und Tierornamenten verziert. Auffällig ist auch der seltene Wechsel glasierter und nichtglasierter Backsteine. Sehenswert sind die frühgotischen Stuckelemente an den Wänden. Farbreste und Ritzungen lassen zudem erkennen, dass der Raum einst bunt ausgemalt war. Die Zierscheibe im Gewölbe zeigt den thronenden und richtenden Christus.